Wer war Jenny Gusyk?

Die Namensgeberin des Preises, Jenny Gusyk, war die erste Studentin an unserer 1919 neugegründeten Universität.


Sie schrieb sich am 11. April 1919 an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät unter der Matrikelnummer 2 ein.

Nach allem, was anhand der Quellenlage bekannt ist, war Jenny Gusyk eine beeindruckende und interessante Persönlichkeit: Zuallererst war sie eine zielstrebige und erfolgreiche Studentin. Nach insgesamt sieben Semestern schloss sie ihr Studium durch die kaufmännische Diplomprüfung mit Auszeichnung ab. Daneben war sie politisch aktiv. Es ist bekannt, dass sie Mitglied des AStA war und ihre Diplomarbeit über den französischen Sozialisten Jean Jaurès verfasste. Zudem hatte Jenny Gusyk einen Migrationshintergrund: Als Jenny 13 Jahre alt ist, zieht ihre Familie aus dem russischen Zarenreich nach Solingen. Einige Jahre später nimmt ihr Vater, der jüdische Kaufmann Leon Gusyk, und mit ihm die ganze Familie, die türkische Staatsbürgerschaft an (die genauen Hintergründe hierzu sind unbekannt, es besteht die Vermutung, dass eine Verbindung mit den Repressionen des preußischen Staates gegenüber russischen Juden gegeben sein könnte).

Nach Abschluss ihres Studiums zog Jenny Gusyk nach Berlin, wo sie den Journalisten Karl Stucke heiratete und Mutter eines Sohnes wurde. Es ist davon auszugehen, dass die Eheleute der Nationalsozialistischen Verfolgung jüdischer und politisch anders denkender Menschen zum Opfer fielen und im Konzentrationslager ums Leben kamen.

Der Sohn, Thomas Stucke, überlebte das Dritte Reich und wanderte 1946 in die USA aus. Als ihn im Jahr 2009 die Anfrage zur Bennennung des Gleichstellungspreises der Universität zu Köln nach seiner Mutter erreichte, freute er sich sehr darüber und stimmte zu. Den Kontakt vermittelte der Solinger Journalist Wilhelm Rosenbaum.


Literatur

Marina Wittka (1995): Genia statt Genius – Die erste Studentin der Universität zu Köln, in: Frauenbeauftragte der Universität zu Köln (Hg.), Genia. Nur für Frauen, Köln: M & T Verlag, S. 34 – 41.

Irene Franken (1995); „Ja, das Studium der Weiber ist schwer!“ Studentinnen und Dozentinnen an der Kölner Universität bis 1933, Köln: M & T Verlag, S. 33ff.

Wilhelm Rosenbaum (2003): Jenny Gusyk Buch, 2003, Rosenbaum (pdf, 3.2 MB)